Akkordeon-Orchester
Rüschlikon, Thalwil, Oberrieden

Berichte und Fotos

17. Eidgenössisches Musikfest in Disentis   /   3. - 5. Juni 2016

Ein vorzügliches Wochenende in der Surselva

Nach monatelanger Vorbereitung präsentierte die Spielgemeinschaft AO-RTO & AOW ihr Können vor der Fachjury und erreichte dabei das hervorragende Prädikat „vorzüglich“.
 
Vorbereitung & Anreise
Bereits kurz nach dem Herbstkonzert 2015 legte unser Dirigent Bruno Raimann den Fokus auf das „fiasta federala d’accordeon“. Das Orchester entschied sich für das Selbstwahlstück „Chicago Festival“ von Markus Götz (arr. Gerd Huber); das Pflichtstück für die Kategorie „Mittelstufe“ war vorgegeben: „Fantasy in Concert“ (Renato Bui).
Wie viele Male hatten wir die beiden Stücke seit Jahresbeginn wohl gespielt, in der Pfisterschüür geschwitzt und an Details gefeilt? Natürlich wussten wir, dass nur ein optimaler Vortrag auch mit dem entsprechenden Prädikat belohnt würde; am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr galt es ernst… doch zuerst einmal der Reihe nach.
Bei der Einfahrt ins Dorf Disentis am Samstagvormittag war sofort zu sehen: Hier geht ein grösserer Musik-Anlass über die Bühne – überall Infotafeln und Wegweiser (für Autofahrer zwar etwas zu klein geraten…), farbige Polo-Shirts und Gilets, Fahnen, lachende und konzentrierte Gesichter, und vor allem zahlreiche Freiwillige. Rund 400 Voluntaris (das ganze Dorf, ja das ganze Tal schien im Einsatz zu sein) konnte das OK unter der fachkundigen Leitung von Flavio Murer für den Anlass motivieren. Allen OK-Mitgliedern und Helfern sowie den Sponsoren gebührt an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!
Das Transportauto mit den Notenständern, dem Keyboard, dem Electronium und allen Verstärkern und Kabeln schlich sich von hinten ans Instrumentendepot im Schulhaus an. Schnell war das ganze Material dank der Mithilfe der Orchestermitglieder am richtigen Ort verstaut. Um die Mittagszeit checkten alle gestaffelt in unserem Hotel in Curaglia ein. Unsere Präsidentin Franziska Alpiger hatte im Hotel Cuntera für alle ein Bett reservieren können. Die Fahrt nach Curaglia nahm nur gute zehn Minuten in Anspruch (ohne Lichtsignal auf der Passstrasse oder Gegenverkehr in der schmalen Dorfzufahrt gerechnet). Da hatten andere Orchester einen klar längeren Anfahrtsweg…!
 
Vier Vortragssäle und romanischen Ansagen
Nach der Mittagsverpflegung (z.B. eine Wurst im kleinen Festzelt oder eine Pizza im Restaurant) zurück in Disentis verschafften wir uns einen Überblick über die vier Vortragssäle und inspizierten natürlich auch die Baseglia S. Gion, welche mitten im Dorfzentrum vis-à-vis des Schulhauskomplexes liegt. Hier sollten wir also am Sonntagmorgen unsere Bestform abrufen… Die Akustik in einer solchen Kirche ist selbstredend überhaupt nicht mit derjenigen unseres Probelokals in der Pfisterschüür zu vergleichen… Würde es wohl genug warm sein im Innenraum der Baseglia?
Den Nachmittag verbrachten alle Orchestermitglieder und natürlich auch unser Dirigent Bruno Raimann je nach Interesse und persönlichen Kontakten in den Vortragssälen. Zu diesem Zweck wurde das informative Programmheft intensiv studiert. Einige Spieler wollten sich mit anderen Mittelstufen-Orchester mit dem gleichen Pflichtstück vergleichen, ein Teil gab der Unterhaltungsmusik den Vorzug oder lauschte den Vorträgen von bekannten Orchestern aus der Region Zürich/Winterthur. Natürlich war es auch interessant, Gruppen aus der Romandie oder der Innerschweiz zuzuhören oder solchen, die Werke präsentierten, welche wir an einem Wettspiel in den vergangenen Jahren vorgetragen hatten und deshalb gut kannten. Spannend ist es zudem immer, die individuellen Stile und Bewegungsmuster der verschiedenen Dirigenten zu studieren oder die Zusammenstellung der einzelnen Orchester (Rhythmus-Gruppe, besondere Instrumente mit und ohne Verstärkung etc.) zu analysieren. Alle Mitteilungen und Ansagen enthielten immer auch einen romanisch gesprochenen Teil – grundsätzlich sicher eine sympathische Geste der Organisatoren, dem einen oder anderen war das zwischendurch trotzdem des Guten etwas zu viel…
Auf jeden Fall konnten wir uns in jeder Beziehung auf den Auftritt am Sonntag einstimmen und mental vorbereiten.

Gesang, Tanz und Trommeln… Atmosphäre
Am Samstagabend trafen wir uns geschlossen in der Tennishalle zum Nachtessen. Eindrücklich, so eine Verpflegungsorganisation für so viele Leute. Schliesslich hatte das OK die Aufgabe, 80 verschiedene Formationen mit total ca. 1300 Musikern plus zahlreiche Gäste zu verpflegen. Gemäss Medienberichten wurden in der Küche zum Beispiel 250 Liter Salatsauce zubereitet und in kleine Plastik-Dosen abgefüllt; am Service an den Tischen gab’s praktisch nichts auszusetzen.
Nach dem wohlverdienten Znacht begaben wir uns in die Festhalle, wo verschiedene musikalische Darbietungen auf uns warteten. Den Auftakt machte der Chor d’affons Sumvitg, ein Kinderchor mit einem bemerkenswerten und viel beklatschtem Auftritt. Die Acapella-Gruppe Acabellos sorgte ebenfalls für gute Stimmung in der Halle. Etwas weniger gelungen war aus unserer Sicht die Show der Gruppe SAF-SAP, einer Tanz- und Trommelgruppe, die afrikanischen Sound und Tanz-Atmosphäre in den Saal zauberte, oder zaubern wollte. Etwas gar viel Lärm für gewisse Ohren… So entschieden wir uns, zurück ins Hotel zu fahren, und die Grabenland Buam, die letzte Gruppe des vielseitigen Unterhaltungsprogramms, mussten ohne Zuhörerschaft aus unseren Reihen auskommen. Aber wir wollten ja schliesslich ausgeschlafen und fit zum sonntäglichen Höhepunkt erscheinen und mit einem optimalen Wettspiel-Vortrag ein sehr gutes Resultat mit nach Hause bringen. Und es sollte sich lohnen!
 
Musikalischer Höhepunkt
Ein liebevoll angerichtetes Frühstücks-Buffet wartete im Hotel am Sonntagmorgen früh auf uns. Frisch gestärkt machten wir uns nach 8 Uhr auf den Weg zum Instrumentendepot im Schulhaus in Disentis, wo sich auch das Einspiellokal befand. Die Stimmung war gut und schon bald warteten wir mit unseren Notenständern, Instrumenten und Verstärkern im Gang, bis das Orchester vor uns das Einspielen beendet hatte. Pünktlich um 9.00 Uhr erklangen die ersten Töne unserer Spielgemeinschaft, nachdem die Rhythmusgruppe routiniert Steckdosen resp. Kabelrollen gefunden und alle Kabel am richtigen Ort eingesteckt hatte. Das Aufwärmen der Finger stand jetzt im Zentrum. Konzentriert spielten wir sowohl das Pflicht- als auch unser Selbstwahlstück durch.
Der Materialtransfer in die Baseglia verlief ohne Probleme, merci an alle, die sich als Transporthelfer nützlich machten. Nach dem Applaus für das Orchester vor uns betraten wir das Lokal durch die Seitentüre und richteten uns im vorderen, leicht erhöhten Teil Kirche ein. Ein Blick zur tagenden Jury zeigte, lang konnte es nicht mehr gehen. Wie üblich an einem Wettspiel durften wir dann einige Takte unseres Selbstwahlstücks „Chicago Festival“ kurz anspielen. Dann, nach dem akustischen Signal, galt es ernst: Wir wurden auf romanisch und deutsch angekündigt. Volle Konzentration, durchatmen, die Finger angespannt und die Nervosität unter Kontrolle behalten, das Beste geben! Aufmerksam folgten wir dem Avviso von Bruno und begannen mit dem Allegro. Von Anfang an gelang es uns, die Tempi zu halten, die Übergänge sauber zu spielen und schwierige Passagen ausdrucksstark und präzis wiederzugeben. Klar, kleine Fehler kann’s mal geben, aber im Grossen und Ganzen schafften wir eine sehr gute Präsentation. Der Applaus des Publikums war uns gewiss. Mit einem guten Gefühl machten wir uns bereit für „Fantasy in Concert“. Auch dieses Stück hatten wir im Vorfeld ja intensiv geübt. Erneut war es wichtig, die feinen Passagen oder die betonten Schläge genau und mit ruhiger Hand sicher und überzeugend zu spielen sowie Haltebögen einzuhalten. Ja, wir lieferten – als Amateur-Orchester – eine Super-Leistung ab. Nach den Vorträgen hiess uns Bruno aufzustehen und den Applaus der Zuhörer entgegenzunehmen. Ob es der Jury wohl auch gefallen hat? Welches Prädikat würde sie uns erteilen?
Erleichtert packten wir unser Material und verliessen die Kirche. Zufriedenheit war in den Gesichtern der Orchestermitglieder zu lesen, Komplimente von mitgereisten Fans oder Zuschauern zu hören. Die Anspannung war dem lockeren Austausch gewichen und wir unterhielten uns über unseren gelungenen Vortrag (einzig Bruno und unser Schlagzeuger Päde machten sich gleich auf zum Einspielen mit Rüti). Verstärker, Kabel, Instrumente wurden direkt in die nahe parkierten Autos geladen. Bis zum Mittag stand noch das Vereinsfoto beim Fotografen auf dem Programm. Im Klostergebäude wurde auch die Gelegenheit genutzt, Instrumente vom Musikcenter Sursee auszuprobieren, oder nochmals einige Orchester zu hören.
 
Gebanntes Warten auf die Prädikatsverleihung
Zum Mittagessen und anschliessenden Schlussakt liefen wir wieder zur Tennis- und Festhalle. Hier wurden in einem kleinen Markt verschiedenste Produkte der Region feilgeboten. Manch ein Mitglied nahm ein feines süsses oder salziges Souvenir nach Hause. Zum Start des Nachmittags gab die Harmonie „Societad da musica Mustér“ ein kurzes Konzert. Nach dem Auftritt einer Perkussionsgruppe sowie des Solo-Akkordeonisten Dorin Grama begann der Schlussakt. Traditionell marschierten die Fähnriche der Verbände und Vereine zuerst auf die Bühne, wobei auch die neue Fahne von Akkordeon Schweiz präsentiert wurde. Anschliessend wurden die Vereinsvertreter – für uns unser Dirigent Bruno Raimann – auf die Bühne gebeten. Gespannt warteten wir alle auf die Prädikatsverleihung. Nach einer kurzen Rede des OK-Präsidenten war es dann so weit. Kategorienweise wurden die Prädikate der einzelnen Formationen verlesen. Gemäss Reglement werden das Selbstwahl- und das Pflichtstück nach folgenden fünf Kategorien beurteilt: 1. Harmonische Reinheit, 2. Dymanik und Balance, 3. Rhythmik und Agogik, 4. Artikulation, Tonkultur und Ausdruck, 5. Interpretation und Gesamteindruck. In unserer Kategorie „Orchester Mittelstufe Erwachsene“ erwarteten wir dann unseren Orchesternamen. Die Jury verlieh uns mit 42.3 Punkten das Prädikat „vorzüglich“. Wahnsinn! Die Freude über dieses Resultat war riesengross. Damit haben wir uns ein Top-Prädikat erspielt! Natürlich waren wir alle sehr zufrieden, die eigene Einschätzung nach dem Vortrag war bei „sehr gut“ oder „vorzüglich“ gelegen. Kurze Zeit später war Bruno zurück bei uns an den Tischen. Interessiert bewunderten wir die Steinskulptur (Fest-Andenken), lasen die Bemerkungen der Jury und hielten stolz das Diplom in Händen: Selbstwahlstück 41.4 Punkte, Pflichtstück 43.1 Punkte, Total Punkteschnitt 42.3. Da stand es schwarz auf weiss! Das viele Üben hatte sich also gelohnt. Was musste Bruno mit uns Geduld haben! Nehmen wir das Resultat als Ansporn für seriöses Üben auf zukünftige Konzerte und Auftritte.
Die Prädikatsverleihung war der letzte Programmpunkt des Eidgenössischen Akkordeonmusikfests. Ein erlebnisreiches Wochenende in der Surselva ging zu Ende. Wir machten uns allmählich auf die Heimreise Richtung Zürichsee. Zurück bleibt die Erinnerung an einen sympathischen Wettspiel- und Festanlass in Disentis. Herzlichen Dank an alle Orchstermitglieder, an unseren Dirigenten Bruno Raimann, an die mitgereisten Fans sowie an den Vorstand für die Vorbereitung und Organisation.
 
Thomas Alpiger
 

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